Elsfleth

Rathausplatz

Historisches Rathaus
Historisches Rathaus

Der Rathausplatz ist historisch geprägt durch das jetzige Rathausgebäude, das vormals Zollamt und Amtsgericht beherbergte, das Denkmal des "Schwarzen Herzogs" sowie das Haus Visurgis, heute Hotel und Restaurant, mit dem Glockenspiel im Hausgiebel.

Einen bedeutenden Aufschwung erlangte Elsfleth durch die Errichtung des Weserzolls, der von Graf Anthon Günther von Oldenburg im Jahre 1624 in Elsfleth erhoben wurde. Alle Schiffe, die nach Bremen hinauf wollten, mussten in Elsfleth anlegen und die transportierten Waren verzollen.

Begründet hatte der Oldenburgische Herrscher den Weserzoll mit den hohen Kosten zur Sicherung des Fahrwasser der Unterweser. Der Elsflether Weserzoll war nur einer von mehreren Weserzöllen. So gab es im Jahr 1800 zwischen Bremen und Minden insgesamt 24 Zollstationen. Elsfleth war die mündungsnächste Zollstation.

Für die Abwicklung des Weserzolls wurde 1624 ein Zollamt am heutigen Rathausplatz gebaut. Der Weserzoll war für die Bremer Kaufleute nachteilig und die Bremer wehrten sich lange Zeit dagegen. Erst 1653 kam es auf dem Reichtstag zu Regensburg zu einem Vergleich, in dem die Bremer den Weserzoll anerkannten.

Im Jahr 1820 wurde der Elsflether Weserzoll wieder aufgehoben. Auch alle weiteren Weserzölle wurden bis 1853 aufgrund des steigenden Wettbewerbs-drucks aufgehoben, der durch die Eisenbahn entstand.

Nach 1820 wurde das Zollamtsgebäude als Amtsgericht und Dienstwohnung genutzt. 1879 ließ das Großherzogtum auf dem benachbarten Grundstück für das Amtsgericht ein neues Gebäude errichten. Dieses wurde nach dem Umzug der Gerichtsverwaltung in die Hafenstraße im Jahr 1966 an die Polizei übergeben. Der Amtsgerichtsbezirk Elsfleth wurde 1972 aufgehoben.

1940 erwarb die Stadt Elsfleth das ehemalige Zollhaus und richtete dort ihr Rathaus ein. Nach dem Auszug der Polizei im Jahr 1992 wurde das ehemalige Amtsgerichtsgebäude mit dem Rathausgebäude verbunden und zu einem Gebäude umgebaut.

Auf dem Rathausplatz steht das Denkmal des Herzogs Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Oels, genannt "Schwarzer Herzog", der sich, verfolgt von napoleonischen Truppen im Jahr 1809 mit seiner schwarzen Schar mit Hilfe der Elsflether Schiffer nach Helgoland absetzen konnte. 

Die Uhr vor dem Giebel des Hauses VISURGIS stammt von der alten Seefahrtschule von 1871 in Elsfleth, Peterstraße. Frau Renate Janssen entdeckte das verrostete Zifferblatt mit den Uhrzeigern am 08.08.1988 in Oberhammelwarden und erwarb es für 500,- DM. Die Uhrenbaufirma Hemmer aus Bruchhausen-Vilsen wurde beauftragt, das Zifferblatt zu restaurieren und ein automatisches Uhrwerk einzubauen. Außerdem wurde die Firma beauftragt die Glocken mit dem Glockenspiel (13 Shantys und Glasen), sowie ein Schild mit dem Visurgenwappen und der Aufschrift „Navigare necesse est“ – „Seefahrt tut Not“ anzufertigen und anzubringen.

Am 25.05.1989 erklang der erste Glockenschlag und das erste Lied „Üb immer Treu und Redlichkeit!“ Die Uhr glast (Bekanntgeben der Uhrzeit durch Anschlagen an die Schiffsglocke) halbstündlich zwischen 08.00 und 22.00 Uhr. Ab 08.00 Uhr ertönt alle zwei Stunden das Glockenspiel. 

Das Glockenspiel soll ein Dank sein an alle Kapitäne und Besatzungen, die an Bord ihre Pflicht getan haben und noch tun. Ein Dank an die Nautische Kameradschaft „Visurgis“, die in 85 Jahren ihres Bestehens Verbindungen zu den Seeleuten in der ganzen Welt aufrecht erhielt und die Kameradschaft und das Zugehörigkeitsgefühl zu Elsfleth damit festigte.

Die Uhr und die Glocken sollen aber auch an die Vergangenheit erinnern, dass es in Elsfleth ein stetes Auf und Ab in der Seeschiffahrt gegeben hat. Die Stifter hoffen, dass der Spruch „Navigare necesse est“ – „Seefahrt tut Not“ – seine Bedeutung für Elsfleth nicht verliert.

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